Ein Tag im Leben... (Softwaretesterin)
Was passiert eigentlich, bevor eine neue Funktion in stepnova veröffentlicht wird?
Neue Funktionen entwickeln, Fehler beheben und Updates veröffentlichen: Bevor Änderungen in einer Software bei den Anwenderinnen und Anwendern ankommen, werden sie gründlich getestet.
Denn Software muss nicht nur unter idealen Bedingungen funktionieren. Auch ungewöhnliche Eingaben, unerwartete Abläufe oder Veränderungen an bestehenden Funktionen müssen berücksichtigt werden. Genau hier kommt das Softwaretesting ins Spiel.
Doch wie sieht diese Arbeit eigentlich im Alltag aus? Was macht eine Softwaretesterin den ganzen Tag und worauf achtet sie beim Testen?
Zum Internationalen Tag des Software-Testers nehmen wir euch mit hinter die Kulissen von stepnova. Inken arbeitet seit 15 Jahren bei ergovia und sorgt mit dafür, dass neue Entwicklungen und Fehlerkorrekturen vor der Veröffentlichung gründlich geprüft werden.
In diesem Beitrag gibt sie einen persönlichen Einblick in ihren Arbeitsalltag.
„Einmal durchklicken, gucken, ob etwas abstürzt, fertig.“
So stellen sich viele meinen Job vor.
Ich bin Softwaretesterin bei ergovia und prüfe, was in stepnova neu entwickelt oder korrigiert wurde. Und nein: Einfach nur ein paar Mal klicken und schauen, ob alles funktioniert, ist es nicht.
Softwaretesten bedeutet für mich vor allem, systematisch Fragen zu stellen.
Was soll eine neue Funktion können? Was passiert, wenn jemand sie anders benutzt als gedacht? Welche Daten können eingegeben werden? Was passiert bei leeren Feldern, falschen Formaten oder ungewöhnlichen Kombinationen? Und was hängt eigentlich noch alles an einer Änderung?
Denn eine neue Funktion kann für sich allein betrachtet perfekt funktionieren. Entscheidend ist aber auch, dass sie sich in das Gesamtsystem einfügt und an anderer Stelle nichts verändert, was bereits funktioniert.
Der Tag beginnt mit einem Überblick
Mein Morgen beginnt meist mit Jira. Dort bekomme ich einen Überblick darüber, was sich seit dem Vortag verändert hat.
Welche Vorgänge sind mittlerweile auf „bereit für Test“ gewandert? Welche Fehlerkorrekturen warten auf einen Nachtest? Was ist wirklich dringend? Und welche Themen benötigen vielleicht noch Rücksprache mit der Entwicklung oder dem Projektteam?
Gerade wenn mehrere Entwicklungen gleichzeitig laufen, hilft dieser Überblick dabei, die Prioritäten für den Tag festzulegen.
Erst verstehen, dann testen
Bevor ich mit dem eigentlichen Testen beginne, schaue ich mir an, was die neue Funktion überhaupt leisten soll.
Dazu lese ich die Anforderung und prüfe, ob es offene Fragen oder Punkte gibt, die noch nicht eindeutig beschrieben sind. Daraus leite ich meine Testfälle ab.
Natürlich teste ich zunächst die vorgesehenen Wege. Wenn eine Funktion beispielsweise Daten speichern soll, muss sie diese Daten selbstverständlich speichern können.
Aber der Hauptweg ist meist nur der Anfang. Interessant wird es an den Rändern.
Was passiert, wenn ein Pflichtfeld leer bleibt? Wenn ein falsches Format eingegeben wird? Wenn jemand eine Funktion in einer Reihenfolge nutzt, die vielleicht nicht vorgesehen war? Oder wenn Datenkombinationen entstehen, die es theoretisch „gar nicht geben dürfte“?
Genau solche Situationen gehören für mich zum Alltag einer Softwaretesterin.
Gemeinsam den Überblick behalten
Am Vormittag sprechen wir im Projektdaily darüber, wo das Team gerade steht.
Was wurde fertiggestellt? Welche Themen sind noch offen? Wo gibt es Rückfragen? Und wo werde ich als Nächstes gebraucht?
Für mich ist dieser Austausch wichtig, weil Softwaretesten keine isolierte Aufgabe ist. Entwicklung, Projektmanagement und Testing greifen ineinander.
Manchmal ergeben sich aus einer kurzen Rückfrage neue Informationen über eine Funktion. Manchmal fällt auf, dass eine Anforderung noch präzisiert werden muss. Und manchmal zeigt sich erst im Gespräch, welche Auswirkungen eine Änderung auf andere Bereiche haben könnte.
Testen bedeutet, auch die unbequemen Wege zu gehen
Wenn ich mit dem Testen beginne, arbeite ich mich nicht einfach nur durch eine Funktion.
Ich überlege: Was könnte hier passieren?
Dabei teste ich nicht nur das erwartete Verhalten, sondern auch die Wege, die auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken:
- Leere oder unvollständige Eingaben
- Falsche Datenformate
- Ungewöhnliche Datenkombinationen
- Unterschiedliche Reihenfolgen von Arbeitsschritten
- Änderungen an bereits vorhandenen Daten
- Grenzfälle, die selten vorkommen, aber trotzdem möglich sind
Der „normale“ Weg funktioniert oft recht schnell. Spannender wird es dort, wo eine Funktion auf eine Situation trifft, die bei der Entwicklung vielleicht nicht im Mittelpunkt stand.
Genau dort können Fehler entstehen.
Und was passiert, wenn ich einen Fehler finde?
Einen Fehler zu finden, ist nur die Hälfte meiner Arbeit.
Danach muss ich ihn so dokumentieren, dass er für andere nachvollziehbar ist.
Dazu gehören beispielsweise:
- klare Schritte, mit denen sich der Fehler reproduzieren lässt
- das erwartete Verhalten
- das tatsächliche Verhalten
- die verwendeten Testdaten
- die getestete Version
- Screenshots oder weitere Informationen, wenn sie bei der Analyse helfen
Je genauer ein Fehler beschrieben ist, desto schneller kann die Entwicklung nachvollziehen, was passiert ist und die Ursache finden.
Nach dem Fix ist vor dem Nachtest
Wenn ein Fehler korrigiert wurde, ist meine Arbeit damit noch nicht automatisch abgeschlossen.
Dann geht es ans Nachtesten.
Ist der Fehler wirklich behoben? Funktioniert die Korrektur auch in ähnlichen Varianten? Und hat die Änderung möglicherweise etwas anderes beeinflusst, das vorher problemlos funktioniert hat?
Eine Änderung kann an einer Stelle genau das gewünschte Problem lösen und gleichzeitig an einer anderen Stelle eine neue Auswirkung haben. Deshalb gehört zum Testing nicht nur die Frage: „Ist der Fehler weg?“, sondern auch: „Ist dadurch etwas anderes kaputtgegangen?“
Warum Testing für stepnova so wichtig ist
stepnova wird täglich von Bildungsträgern für ihre Dokumentation und Verwaltungsprozesse genutzt.
Deshalb werden neue Funktionen und Änderungen sorgfältig geprüft, bevor sie veröffentlicht werden.
Natürlich kann Testing nicht jeden einzelnen Fehler für jede denkbare Nutzungssituation ausschließen. Aber durch systematisches Testen können viele Probleme bereits erkannt werden, bevor eine neue Version veröffentlicht wird.
Und genau das ist mein Ziel.
Mein Fazit nach einem Arbeitstag
Am Ende eines Test-Tages geht es für mich nicht darum, möglichst viele Fehler zu finden.
Es geht darum, dazu beizutragen, dass die Anwenderinnen und Anwender von stepnova möglichst keine finden.
Oder anders gesagt:
Der beste Test-Tag ist der, an dem niemand merkt, dass es überhaupt etwas zu finden gab.
Unsere Reihe: Ein Tag im Leben...
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Hinter ergovia steckt weit mehr als nur ein Produkt. Es sind die Menschen, die jeden Tag mitdenken, Lösungen entwickeln, Herausforderungen meistern und dafür sorgen, dass am Ende alles zusammenpasst.
Genau das möchten wir mit unserer Reihe „Ein Tag im Leben…“ sichtbar machen – die Vielfalt unserer Aufgaben, die unterschiedlichen Perspektiven und den echten Arbeitsalltag, der sonst oft unsichtbar bleibt.
Und Inken ist dabei nur eine von vielen Perspektiven.
👉 Wenn ihr noch mehr Einblicke bekommen möchtet, schaut auch in die anderen Beiträge der Reihe:
– Ein Tag im Leben eines Systemadministrators
– Ein Tag im Leben einer Sales Mitarbeiterin
– Ein Tag im Leben eines Software-Entwicklers