Ein Tag im Leben... (Senior Softwareentwickler)
Zum Internationalen Tag der Programmierer am 13. September
Am 13. September 2026 ist Tag der Programmierer. Warum ausgerechnet an dem Datum? Weil es der 256. Tag des Jahres ist, und 256 ist die Anzahl der Werte, die in ein Byte passen. Wir in der Entwicklung finden sowas lustig. Alle anderen schauen an der Stelle meistens kurz irritiert und wechseln das Thema.
Ich (Sascha) wurde gefragt, ob ich für den stepnova-Blog mal aufschreibe, wie ein Arbeitstag bei mir eigentlich abläuft. Mache ich gern, auch weil die Vorstellungen davon oft ziemlich daneben liegen. Der Kapuzenpulli stimmt. Der Rest eher weniger.
07:00 Uhr: erstmal reinlesen
Ich fange um sieben an. RedBull holen, hinsetzen, Chat aufmachen. Meistens hat sich seit gestern Nachmittag irgendwas angesammelt: eine Frage aus dem Support, ein Hinweis von einem Kollegen, manchmal auch nur eine kurze Info, die ich zur Kenntnis nehmen muss.
Das meiste davon ist schnell beantwortet. Aber ich mache es bewusst vor allem anderen, weil ich sonst zwei Stunden tief in einer Aufgabe stecke, während jemand auf eine Antwort von mir wartet, die zehn Sekunden gedauert hätte.
Der Morgen: Fokuszeit
Danach kommt der Block, auf den ich mich am meisten freue: Arbeit an Projekten und größeren Vorhaben, ohne Termine dazwischen.
Programmieren funktioniert bei mir nur so. Man hat irgendwann das ganze Problem im Kopf, alle Zusammenhänge gleichzeitig, und in dem Zustand geht es dann richtig voran. Nach einer Unterbrechung ist der Zustand aber weg, und man fängt nicht dort an, wo man aufgehört hat, sondern ein Stück davor. Falls ich in der Zeit also mal etwas verzögert reagiere: nicht persönlich nehmen, ich brauche nur einen Moment zum Auftauchen.
Geschrieben wird in so einem "Fokus Block" übrigens gar nicht so viel. Die meiste Zeit geht dafür drauf, sich zu überlegen, welche von drei möglichen Lösungen man in zwei Jahren noch gut findet.
Der Vormittag: das Daily
Einmal am Vormittag treffen wir uns im Team und gehen kurz durch, was jeder gestern gemacht hat, was heute ansteht und wo es klemmt. Das dauert nicht lang.
Ich fand solche Runden früher ehrlich gesagt eher lästig. Inzwischen möchte ich sie nicht mehr missen, weil ständig Dinge auffallen, die man allein übersehen hätte. Und wenn man beschreibt, woran man hängt, hat man die Lösung erstaunlich oft schon halb selbst gefunden, bevor überhaupt jemand geantwortet hat.
Mittags: Snackpause, dann Tagesgeschäft
Kurze Snackpause, danach hängt es vom Tag ab.
Manchmal steht ein Release an. Änderungen zusammenführen, testen, veröffentlichen und danach noch eine Weile schauen, ob im Betrieb alles ruhig bleibt. Manchmal unterstütze ich bei Tickets. Und regelmäßig geht es darum, Probleme von Kundinnen und Kunden zu finden und zu lösen.
Das ist der Teil, der sich mit Detektivarbeit ähnelt. Eine Meldung beschreibt ja erstmal nur, was jemand erlebt hat. "Beim Speichern passiert nichts" kann zwanzig verschiedene Ursachen haben. Also Rückfragen stellen, Logs durchgehen, versuchen, die Situation bei mir nachzustellen. Genau daran scheitert es oft, weil es bei mir eben funktioniert. Wenn ich den Fehler dann endlich reproduzieren kann, ist die Korrektur meistens schnell erledigt. Die Suche war die Arbeit.
Der Nachmittag: Wartung und Planung
Nachmittags kümmere ich mich um die Instandhaltung unserer Applikationen. Sicherheitsthemen, Updates, Bugfixes, Abhängigkeiten aktuell halten.
Das klingt unspektakulär und ist es auch. Aber Software altert nicht davon, dass man sie benutzt, sondern davon, dass sich außenrum alles ändert: Browser, Bibliotheken, Betriebssysteme, Anforderungen. Wenn man das ein halbes Jahr schleifen lässt, hat man kein kleines Update mehr vor sich, sondern ein Projekt.
Dazu kommt Projektplanung. Was machen wir als Nächstes, in welcher Reihenfolge, was hängt woran. Auch nicht die spannendste Stunde des Tages, spart aber später zuverlässig Tage.
15:30 Uhr: Feierabend
Um halb vier ist bei mir Schluss. Was liegen geblieben ist, wird dokumentiert und für den nächsten Tag geplant.
Das war nicht immer so. Ich habe früher öfter abends noch "kurz eben" weitergemacht. Lohnt sich nicht, da ab einem gewissen Arbeitspensum einfach die Konzentration weg ist.
Was den Beruf ausmacht
Wenn mich jemand fragt, was ich den ganzen Tag mache, sage ich inzwischen: übersetzen.
Auf der einen Seite steht der Alltag unserer Kundinnen und Kunden mit Abläufen, Fristen und Nachweispflichten, die über Jahre gewachsen sind. Auf der anderen Seite steht ein System, das nur das kann, was man ihm vorher erklärt hat, und das jeden Sonderfall für einen Fehler hält, solange ihn niemand vorgesehen hat. Dazwischen zu vermitteln, ist eigentlich die ganze Arbeit. Der Code ist am Ende nur die Mitschrift.
Was ich vorher unterschätzt hatte: wie lange Entscheidungen bleiben. Wie man etwas heute aufbaut, entscheidet jahrelang mit, wie leicht sich später etwas ergänzen lässt. Und gelesen wird der Code sowieso viel öfter, als er geschrieben wird, unter anderem von mir selbst, ein Jahr später, wenn ich mich an nichts mehr erinnere.
Und man liegt oft daneben. Der Verdacht bestätigt sich nicht, die Lösung ist nach zwei Stunden eine Sackgasse. Das gehört dazu und macht auch nichts, solange man den Moment mag, in dem es dann doch passt. Diesen Moment gibt es fast jeden Tag, und deshalb mache ich das gern.
Fazit
Programmieren ist der kleinste Teil vom Programmieren. Der Rest ist verstehen, nachfragen, ausprobieren, verwerfen und sich mit Kolleginnen und Kollegen abstimmen.
Am Ende sitzen Menschen vor der Software und wollen einfach ihre Arbeit machen. Wenn das nach einem Update ein bisschen besser klappt als vorher, war der Tag gut.
In diesem Sinne: Schönen 256. Tag des Jahres an alle, die programmieren.
Unsere Reihe: Ein Tag im Leben...
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Hinter ergovia steckt weit mehr als nur ein Produkt. Es sind die Menschen, die jeden Tag mitdenken, Lösungen entwickeln, Herausforderungen meistern und dafür sorgen, dass am Ende alles zusammenpasst.
Genau das möchten wir mit unserer Reihe „Ein Tag im Leben…“ sichtbar machen – die Vielfalt unserer Aufgaben, die unterschiedlichen Perspektiven und den echten Arbeitsalltag, der sonst oft unsichtbar bleibt.
👉 Wenn ihr noch mehr Einblicke bekommen möchtet, schaut auch in die anderen Beiträge der Reihe: