Softwareentwicklung: Was den Beruf ausmacht und wie der Einstieg gelingt
Wie kommt man eigentlich dazu, Softwareentwicklerin zu werden?
Berit ist seit 4 Jahren bei ergovia und Teil unseres Entwicklungsteams. Sie arbeitet vor allem im Backend und beschäftigt sich unter anderem mit der Weiterentwicklung von stepnova und verschiedenen Schnittstellen.
Ihr Weg in die Softwareentwicklung begann allerdings lange vor ihrer Zeit bei ergovia. Was sie daran schon früh begeistert hat, wie ihr Arbeitsalltag heute aussieht und was ihren Beruf auch nach mehreren Jahren noch spannend macht, erzählt sie im folgenden Interview:
Wie bist du zur Softwareentwicklung gekommen?
In der Schule haben wir kleine Roboter gebaut, selbst gelötet und mit einer Schnittstelle, über die man jedes Rad einzeln ansteuern konnte. Daraus eine Steuerung zu bauen, mit der der Roboter per Knopfdruck geradeaus, links oder rechts fährt, hat mir richtig Spaß gemacht. Ein ähnliches Erfolgserlebnis hatte ich später im Informatikunterricht mit meiner ersten eigenen Website. Danach war die Entscheidung fürs Informatikstudium schnell getroffen.
Womit beschäftigst du dich aktuell?
Ich arbeite vor allem im Backend. Meine Schwerpunkte sind timeline, das ich von Anfang an mitentwickelt habe und weiterentwickle, und unsere Schnittstelle zum BAMF. In vielen Bereichen von stepnova habe ich inzwischen tiefes Domainwissen. Das ist oft genauso wichtig wie das technische Know-how, weil viele Zusammenhänge nicht direkt im Code stehen. Außerdem beschäftige ich mich viel mit dem Thema KI-Integration.
Wie viel Zeit verbringst du tatsächlich mit Programmieren und was gehört sonst noch zu deinem Job?
Weniger, als man denkt. Code zu schreiben ist selten der aufwändigste Teil. Die eigentliche Arbeit liegt darin, zu verstehen, in welchem System man sich bewegt und was genau gebaut werden soll. Bei einer so großen, über Jahre gewachsenen Software braucht das viel Abstimmung, vor allem mit dem Produktmanagement, aber auch mit anderen Teams. Wir klären gemeinsam, wie etwas heute funktioniert und wie es künftig funktionieren soll. Dazu gehört auch, so lange nachzuhaken, bis die Anforderungen wirklich durchdacht sind.
Mit KI hat sich der Fokus noch einmal verschoben: Die Umsetzung geht oft schneller, umso wichtiger wird die Planung.
Was passiert eigentlich, bevor eine neue Funktion in stepnova für die Nutzerinnen und Nutzer sichtbar wird?
Am Anfang steht die Frage, welches Problem wir eigentlich lösen. Das beginnt oft mit UX-Research und dem Input von Kolleginnen und Kollegen, die nah an unseren Kundinnen und Kunden sind. Daraus entstehen Anforderungen, die wir in Arbeitspakete aufteilen. Mir ist wichtig, dass diese Pakete möglichst unabhängig voneinander umgesetzt und veröffentlicht werden können. So sitzen wir nicht monatelang an einem großen Block, sondern liefern Verbesserungen Schritt für Schritt aus. Danach kommen Umsetzung, Code-Review, Tests und Release. Ich habe inzwischen jede dieser Phasen selbst begleitet und mag tatsächlich alle davon.
Was ist eine typische Herausforderung, bei der du erstmal denkst: „Okay, das wird jetzt spannend“?
Alles, was größtenteils im Hintergrund passiert. Bei der BAMF-Schnittstelle arbeiten wir zum Beispiel mit einer externen Behörde zusammen. Da muss ich mir ein genaues mentales Modell der Abläufe bauen, um alle Zustände und Edge Cases im Blick zu behalten. Genau solche Themen machen mir am meisten Spaß.
Dazu kommt, dass es stepnova schon viele Jahre gibt. Wer an bestehendem Code arbeitet, muss ihn respektieren und bewusst entscheiden, was jetzt verbessert wird und was bleibt, wie es ist. Der Testaufwand gehört dabei immer mit in die Rechnung.
Was hast du durch deinen Beruf über Problemlösung gelernt?
Dass man ein Problem wirklich verstanden haben muss, bevor man es löst. Die sauberste technische Lösung bringt nichts, wenn sie am eigentlichen Bedarf vorbeigeht. Außerdem ist „gut genug“ manchmal die richtige Entscheidung. Nicht alles muss perfekt sein, aber alles sollte durchdacht sein. Und andere Perspektiven bringen fast immer etwas. KI ist gut, um Ideen durchzuspielen, aber Kolleginnen und Kollegen haben Erfahrung und Fachwissen, auf das man allein nicht kommt.
Was braucht man deiner Meinung nach, um gut in der Softwareentwicklung zu sein?
Neugier, analytisches Denken und Lust darauf, sich in komplexe Zusammenhänge einzuarbeiten, technisch wie fachlich. Außerdem einen Blick dafür, wer nach einem mit dem Code arbeitet. Ich versuche immer so zu arbeiten, dass es die nächste Person leichter hat. Oft bin das am Ende sowieso ich selbst.
Was macht deinen Beruf auch nach mehreren Jahren noch spannend?
Die Abwechslung. Zwischen Research, Planung, Umsetzung und Release gibt es so viele unterschiedliche Aufgaben, dass es nie eintönig wird. Außerdem verändert sich durch KI gerade einiges: wie wir mit Software arbeiten und welche Rolle Entwicklerinnen und Entwickler im größeren Kontext spielen. Das mitzuerleben, finde ich extrem spannend.
Und zum Schluss: Was ist das Beste an deinem Beruf?
Aus einer groben Anforderung eine technische Lösung zu machen. Am Ende steht etwas, das ich mir selbst ausgedacht habe, das genau das Problem löst, das jemand hat, und das so gebaut ist, dass es auch in ein paar Jahren noch gut wartbar ist. Das ist einfach gut.
Oder kurz: Monkey see problem, monkey solve problem, monkey happy. 🐒
Fazit
Was Berits Einblick deutlich macht: Softwareentwicklung verändert sich ständig. Neue Technologien wie KI bringen neue Möglichkeiten mit sich und verändern gleichzeitig die Art, wie Entwicklerinnen und Entwickler arbeiten.
Was bleibt, ist die Neugier auf neue Aufgaben, die Freude an komplexen Problemen und der Anspruch, Lösungen zu entwickeln, die nicht nur heute funktionieren, sondern auch langfristig Bestand haben.
Danke, Berit, für den offenen Einblick in deinen Arbeitsalltag und deine Perspektive auf die Softwareentwicklung!
Unsere Reihe: Ein Tag im Leben...
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Hinter ergovia steckt weit mehr als nur ein Produkt. Es sind die Menschen, die jeden Tag mitdenken, Lösungen entwickeln, Herausforderungen meistern und dafür sorgen, dass am Ende alles zusammenpasst.
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